Sportartspezifisches Krafttraining

Passend zu meinem ersten Video auf Youtube möchte ich hier einen kurzen ergänzenden Beitrag verfassen.

Sportartspezifisches Training

Im Video findest du einige der Hintergründe erklärt. Falls du es noch nicht gesehen haben solltest, findest du es hier: https://youtu.be/qhMhrZ37260

Was vielleicht noch ergänzend hinzugefügt werden sollte, wäre die Beantwortung der Frage nach dem Sinn/Unsinn von Übungen, die die Bewegungen aus dem jeweiligen Sport imitieren, diese dann aber mit einer Zusatzlast zu bestücken.

Heraus kommen häufig sehr merkwürdig aussehende Bewegungen mit einer sehr leichten Zulast (denn meist ist eine schwere Last nicht zu bewältigen). Mein Lieblingsbeispiel ist der Handballer, der mit einer 2 kg Hantel vor dem Spiegel steht und den Wurf imitiert. Da ein Handball 425-475g wiegt, meinte der Spieler, mit einer 2 kg Hantel würde er ja seine Wurfkraft verbessern, wenn er damit trainiert.

Um meine Kritik an dieser Übung zu verstehen, sollte man zunächst einen kurzen Blick auf zwei Begriffe werfen.

  1. Definition Training
  2. Definition Krafttraining

Zu Punkt 1

Training ist der Prozess zur körperlichen Verbesserung der Leistungsfähigkeit einer Person (Patient/Sportler)

Dieser Prozess bedingt überschwelliger Reize. Was soll das bedeuten?

Nun. Gerne nehme ich das Beispiel Jonglieren. Nehmen wir an, wir sind in der Lage mit zwei Bällen zu jonglieren. Wenn wir nun unbedingt mit 3 oder mehr Bällen jonglieren wollen, hilft es uns dann, wenn wir mit einem oder mit zwei Bällen jonglieren? Wäre es nicht sinnvoller es auch mit drei Bällen zu probieren? Und, wenn wir das können, dann mit vier (usw.)? Oder anders gefragt: wer meint denn, dass er irgendwann 4 Bälle jonglieren kann, wenn er in jeder Übungsstunde lediglich zwei Bälle benutzt?

Training ist nichts anderes als unsere „Forderung“ an den Körper etwas zu lernen und sich an die Belastung/Forderung/Aufabenstellung anzupassen.

Muskelwachstum ist nichts anderes. Für Kraftzuwachs gilt dies ebenfalls.

Kommen wir zu Punkt 2

Wann sprechen wir überhaupt von Krafttraining?

In der Sportwissenschaft wird allgemein von einem Widerstand gesprochen, der mindestens 50% der Maximallast entspricht. Beispiel: Ein Mann kann 100 kg in 1 RM (Maximalwiederholung) drücken. Um überhaupt von Kraftraining sprechen zu „dürfen“ muss er also mit mindestens 50 kg trainieren.

Ich gehe soweit, dass wir im Spitzensport (mit gut ausgebildeten Athleten) sicher eher von 60-70% Minimum sprechen sollten.

Was heisst das für unser Beispiel mit der Hantel und dem Werfer?

Die Bewegung ist definitiv kein Krafttraining. Der gesetzte Reiz ist zu gering (unterschwellig)

Folglich kann und wird daraus kein Kraftzuwachs entstehen. Kein Kraftzuwachs -> Kein Leistungszuwachs

Ein weiterer Faktor: insbesondere solche Übungen (hier Würfe) sollten nicht mit einer Zusatzlast absolviert werden, da die Bewegung dadurch unkontrollierbar wird und eher zu Verletzungen führen kann. Zudem könnte es sogar zu einer Änderung der beabsichtigten Bewegung kommen, da wir ja dann „verkrampfter“ werfen. Probiert es aus. Nehmt einen Ball und werft ein paar mal. Dann nehmt eine Hantel und probiert mal den Wurf auszuführen. Fühlt sich etwas steifer an, oder?

Oder noch besser: soll ein Fußballer mit einem Medizinball flanken schlagen um mehr „Kraft“ in seinen Schuß zu bekommen??? (ACHTUNG: BITTE NICHT VERSUCHEN!!!!) Wer wäre so dumm das zu probieren?

Was sollte der Werfer nun anstelle dieser Übung trainieren?

Ganz einfach: im Video habe ich bereits erklärt, dass wir im Krafttraining schlicht und ergreifend eine Basis, ein Fundament für die geforderten Übungen der Sportart legen. Wir wollen nicht direkt auf die Bewegung Einfluß nehmen sondern sozusagen die Rahmenbedingungen verbessern.

Also sollte der Werfer eine funktionale Verbesserung der Kraftwerte im Bereich der Schulter, des Rumpfes und des Arms erreichen.

Eine großartige Übung hierfür ist beispielsweise das Schwungdrücken aus dem Gewichtheben. Diese Übung trainiert Rumpf-, Schulter- und Armmuskulatur und das zudem in einem hochgradig „funktionellen“ Bereich, denn das Zusammspiel der Muskeln muss sich verbessern. Diese Verbesserung (auch durch Kraftzuwachs zu erkennen) dient dann letztendlich dem Wurf.

Eigentlich ganz einfach, oder?

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.