Krafttraining als Therapie bei Arthrose?

In den letzten Jahren sind mir immer mehr Menschen begegnet, die mir ihren Leidensweg mit Arthrose erzählten. Es ist ein schmerzhafter und frustrierender Weg. Soviel steht fest. Erstaunlicher Weise habe ich genau diese Menschen kaum klagen hören, sondern eher eine “Berichterstattung” erhalten. Doch alle äußerten die Hoffnung nach einer wirksamen Therapie.

Kniegelenk, Femur, Tibia, Fibula

In 2018 durfte ich einige äußerst hochwertige Fortbildungen im physiotherapeutischen Bereich absolvieren. Dort lernte ich mehr über dieses Krankheitsbild und die möglichen Behandlungsformen.

Was ist Arthrose?

Um die Beschreibung nicht zu kompliziert zu machen. Es handelt sich um eine degenerative Gelenkerkrankung. Betroffen sind häufig Finger, Knie und Schulter, aber auch alle anderen Gelenke können daran erkranken. Es mag erschreckend klingen, aber wir alle leiden an einer Form der Arthrose. Denn das Wort “degenerativ” bedeutet, dass mit dem zunehmenden Alter der Körper an Leistungsfähigkeit und Grundsubstanz verliert. Oft ist das nicht einmal dramatisch. Bei dem Krankheitsbild Arthrose jedoch ist der Verlauf deutlich schneller und gravierender in seinen Symptomen. Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sind die physischen, Hilflosigkeit und Angst gehören noch zu den “harmlosen” psychischen Auswirkungen. Das Fatale: mit dem Verlust von Muskulatur (Atrophie) erhöht sich auch das Risiko für eine Arthrose.

Schmerzen und Angst
Wir alle kennen Schmerzen. Sie sind eine Alarmfunktion des Körpers. Die Wahrnehmung des Schmerzes hängt von vielen Faktoren ab. Diese vollständig aufzuzählen würde den Rahmen dieses Textes sprengen. Aber, wir alle kennen die Angst, die Besitz ergreift, wenn man sich an alte Schmerzen erinnert. Die Bewegung, die mir monatelang starke Schmerzen verursacht hat, führte zu einer Kompensations- oder Vermeidungshaltung. Und auch, wenn der Schmerz bereits vergangen ist, die Alarmreaktion also ihren Dienst getan hat, das Gewebe sich erholt hat, verharre ich in dieser Vermeidungshaltung. Stets in Erwartung dieses Schmerzes. Oft wird Schmerz auch falsch bewertet. Der Scherz mit dem Arzt und dem Patienten fällt mir wieder ein:

Patient: Herr Doktor, wenn ich “so” mache, dann tut es da weh! Der Arzt: Dann machen sie doch nicht “so”, dann tut es auch nicht weh.

Exakt das machen wir dann auch. Wir lassen die Bewegungen weg. Wir vermeiden sie, kompensieren sie und erwarten stets den nächsten Schmerz. Im Training beobachte ich das oft. Meine Klienten behaupten vor dem Training, ihr Arzt habe ihnen gesagt, ihre “Knie wären stark geschädigt”. Sie könnten diese oder jene Übung überhaupt nicht ausführen. Auf meine Frage hin, wie oft sie das in den letzten Jahren probiert haben, antworten die meisten: Natürlich nicht. Der Arzt hat das ja gesagt, dass ich das nicht kann. Wenn ich dann die Klienten bitte eine Kniebeuge auszuführen und sie dann nach dem Schmerz frage, dann antworten sie vollkommen erstaunt: Kein Schmerz. Und meine letzten Fragen lauteten dann: Wo hast Du jetzt das Problem? Warum machst Du Dir Sorgen? Im Training selbst wachsen einige über sich hinaus. Nicht nur, dass die Übungen vollkommen einwandfrei ablaufen, nein, sie können da sogar noch einen Widerstand auflegen und gegen Last arbeiten. Das führt uns dann gleich zum nächsten Punkt.

Knorpelgewebe (Beschaffenheit, Funktion, Ernährung)

Eine interessante Struktur im Körper bildet das Knorpelgewebe. Es begegnet uns in drei Formen. Den hyalinen Knorpel (Gelenke wie z. B. Knie, Schulter etc.) der elastische Knorpel (z. B. Ohrmuschel) und der Faserknorpel (z.B. Bandscheiben). Für uns ist hier im Bezug auf Arthrose insbesondere der hyaline Knorpel wichtig.

Welche Funktion hat der Knorpel?

Sehr vereinfacht gesagt, hat er die Aufgabe Stöße und größere Belastung “abzufedern”. Er verhindert durch seine Beschaffenheit das Aufeinandertreffen von Knochen auf Knochen. Im Hinblick auf das Kniegelenk also bei Sprüngen, Laufen oder Stürzen ist er die Sicherung.

Schmerzen im Knie können dazu verleiten zu glauben, man dürfe sich nicht mehr belasten… doch das Gegenteil ist der Fall

Wie wird der Knorpel gebildet und wie ernährt er sich?

Diese Frage führt uns auch gleich zur Antwort der Behandlung. Aber ich möchte nichts vorwegnehmen. Alle Strukturen der Bindegewebsarten im Körper, (Knochen, Muskeln, Knorpel, Bänder usw) werden durch ihre Funktion bestimmt. Das bedeutet: Der Körper bildet sich der Funktion entsprechend. Am Beispiel Training erklärt: wir trainieren hart, regenerieren und können im nächsten Training noch härter trainieren. Der Körper passt sich also an. Das gilt nicht nur für die Ausdauer oder Kraft sondern eben auch für das Gewebe, unseren Körper insgesamt. Der Knorpel ist nicht direkt in den Blutkreislauf innerviert, bedeutet, er besitzt keine Blutgefäße. Seine Erhaltung, bzw. seine Ernährung erfolgt über eine Diffusion (Durchdringen) der Nährstoffe aus der Synovia (Gelenkschmiere, Gelenkflüssigkeit). Es kann bildlich mit einem Schwamm verglichen werden. Und so kommen wir schon zu der eigentlichen Tatsache, dass der Knorpel Be- und Entlastung benötigt um sich zu erhalten und sogar aufzubauen. Fehlt dieser Reiz, z. B. durch mangelnde Bewegung oder vom Arzt so oft verschriebene “Schonung”, verliert der Knorpel seine schützende Funktion und baut immer weiter ab. Das Fatale an dieser Entwicklung: der daraus resultierende Schmerz als Alarmreaktion erfolgt erst dann, wenn der Knorpel schon größtenteils abgebaut ist und die Folgeschäden beginnen. So sollte ein Abbau durch Bewegungsmangel oder Schonung definitiv vermieden werden.

Medikamentöse Behandlung und ihre Wirksamkeit gegenüber der Trainingstherapie

Menschen möchten schnelle Lösungen. Und am liebsten ist es, wenn diese Lösung kein, bzw. möglichst wenig eigene Initiative erfordert. Medikamente sind, trotz ihrer häufig katastrophalen Nebenwirkungen, die favorisierte Wahl der Patienten. Einerseits ist das verständlich, denn man möchte den Schmerz schnell ausschalten und wieder am Leben teilhaben. Außerdem sind viele Präparate durchaus eine gute Unterstützung. Jedoch sollte nie vergessen werden, dass von diesen Medikamenten eine ganze Industrie lebt. Und auch unsere Krankenkassen profitieren davon. Es ist günstiger, ein paar Medikamente zu “sponsoren” anstatt Menschen in medizinischen Grundlagen zu schulen und ihre “Aktivitäten des täglichen Lebens” zu optimieren. Hier tritt die Rolle des Physiotherapeuten als “Lebensberater” in den Vordergrund. Aber genau diese Form der Edukation der Menschen wäre wichtig um letztendlich viele Zivilisationskrankheiten im Keim zu ersticken.

Medikamente sind derzeit die häufigste Form der Behandlung von Arthrose… doch sind sie auch sinnvoll?

Die Analyse einiger Studien (Nüesch et al 2009, Juhl et al 2014, McAlindon et al 2014, Skou et al 2017, Leopoldini et al 2016, Da Costa et al 2017) habt gezeigt, dass die Trainingstherapie bei Arthrose einen signifikant höheren positiven Effekt erbringt, als eine medikamentöse Behandlung. Die große Überraschung war bei der Auswertung: Selbst im Vergleich mit Opiaten, also z. B. Morphium oder Codein, zeigt die Trainingstherapie eine deutlich größere schmerzlindernde Wirkung. Auch NSAR (nichtsteroidalen Antirheumatika) waren chancenlos und zeigten zwar bessere Ergebnisse als Opiate, jedoch sehr viel geringere Wirkungen als die Trainingstherapie. Vielleicht sollte jetzt noch einmal betont werden: Die genannten medikamentösen Hilfen bringen immer unerwünschte aber leider unvermeidliche Nebenwirkungen mit sich. Seien es Magen- und Darmprobleme bei NSAR oder sogar eine Abhängigkeit (Sucht) bei Opiatpräparaten. So zeigen sich bei einem evidenzbasierten Krafttraining keine Nebenwirkungen. Es klingt zwar zu gut um wahr zu sein, aber so einfach, wie es hier klingt ist es auch. Leider lässt sich mit Krafttraining kaum Geld verdienen. Denn dazu braucht es gute ausgestattete Trainingsräume und ganz wichtig: hochgradig qualifizierte Trainer! Insbesondere Letzteres sorgt für einen hohen Kostenfaktor. Denn, ein langjährig ausgebildeter Trainer, der Biomechanik, Trainingswissenschaften, Theorie und Praxis im traditionellen Krafttraining sowie Grundlagen der Physiotherapie erlernt und verstanden hat, wird sicher niemals in einem regulären Fitnessstudio für den Mindestlohn arbeiten.

Medizinische Trainingstherapie oder einfaches Krafttraining?

Diese Frage ist sehr einfach und zugleich sehr kompliziert. Die Medizinische Trainingstherapie (kurz MTT) ist eine Trainingstherapie, die explizit für die jeweiligen Leiden ausgerichtet ist. Wer in Büchern recherchiert und sich ein tieferes Wissen aneignen will, kommt bald zu dem Schluß, dass es zigtausende an Übungen und Varianten gibt, welche für jede einzelne Bewegung und die unzähligen Krankheitsbilder zur Verfügung stehen. Auf der anderen Seite steht das traditionelle Krafttraining. Martialisch anmutend mit freien Gewichten, wird diese Form oft mit muskelbepackten Bodybuildern, oder massigen Gewichthebern assoziiert.

Last ist gesund! Wieviel, ist von der individuellen Leistungsfähigkeit abhängig.

Aber es wäre ein fataler Fehler, wenn man diese beiden Formen des Trainings grundlegend unterscheiden würde oder ihnen sogar unterschiedliche Ziele und Ergebnisse zuschreibt. Letztendlich ist unser Körper gleich. Wir empfinden Schmerz, wir bluten, wir atmen. Wir brauchen Wasser und Nahrung. Das Bindegewebe reagiert gleich auf Be- und Entlastung. Das Ziel beider Formen ist ein und das Selbe. Zugegeben: Bodybuilder und Gewichtheber trainieren auch für eine besonders gute Muskulatur oder eine besonders gute Wettkampfleistung, jedoch ist die Zielsetzung vollkommen unerheblich. Denn das Training selbst ist eine wirksame Methode um zu dem eigentlichen Ziel zu gelangen: einen schmerzfreien und gesunden Bewegungsapparat sowie einen barrierefreien Alltag.

Ziel der Arthrose Therapie durch Training

Ich möchte mit dem Training im Powersports Gym den Menschen ihr Vertrauen in ihren Körper wiedergeben. Krafttraining schafft mehr als die bisherigen Behandlungsmethoden. Abgesehen von den schmerzlindernden und kräftigenden Effekten ist die wohl positivste Nebenwirkung, dass eine Teilnahme am Alltag sehr viel angenehmer wird.

Was erwartet mich in diesem Krafttraining?

Keine Sorge, das ist weder ein Geheimnis noch besonders kompliziert. Ich habe in den letzten Jahren fast alle Altersgruppen im Kraftsport angeleitet. Anfänger sind besonders willkommen! Hier werden die positiven Effekt sehr schnell spürbar. Wir erarbeiten uns die grundlegende Technik im Kreuzheben, Kniebeugen und allen anderen Grundübungen, die zur Kräftigung der Skelettmuskulatur führen. Zudem lernen wir unsere Kraft einzusetzen und zu dosieren. Der Alltag wird dann bald keine große Herausforderung mehr sein.

Wir planen demnächst einen Arthrose Workshop Powersports Gym. Ich halte euch auf dem Laufenden!

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