Mein Fazit aus 30 Jahren Kraftsport

Am 3.07.2026 ist es so weit. An diesem Tag vor genau 30 Jahren begann meine Reise, die noch heute andauert. Die aufregende, anstrengende, gesunde und immer wieder aufs Neue motivierende Reise im Kraftsport.

Was mich dazu bewegt hat

Es klingt wie ausgedacht, aber ich kann mich genau daran erinnern. Kraft und eine gute Genetik wurden mir nicht mit in die Wiege gelegt. Im Alter von 6 Jahren zogen meine Familie und ich in ein Reihenhaus. Im Gegenteil. Ich wurde in meiner Kindheit oft gehänselt, da ich sehr dürr und schmächtig war. Der Vorbesitzer des Hauses, in welches wir zogen, war zuvor verstorben und es lagen noch immer einige seiner Habseligkeiten im Keller des Hauses herum. Unteranderem eine metallische Scheibe. So dick wie eine Rolle Malerkrepp. Sie war unfassbar schwer. Meine Eltern beachteten sie nicht. Doch ich war neugierig und versuchte sie aufzuheben. Und ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen: Als ich es mit unglaublich viel Mühe schaffte, sie anzuheben, schoss ein überwältigendes Glücksgefühl von meinem Kopf durch meinen Körper, runter zu meinen Füßen und ich musste laut lachen. Ich war überglücklich, fühlte mich unglaublich gut. Alles um mich herum verschwand und ich wollte diese Scheiben immer wieder anheben, ablegen und wieder anheben.

Doch meine Mutter, die das bemerkte, schimpfte direkt und verbot mir, jemals wieder diese Scheibe zu heben. Sie wollte nicht, dass ich meine vom Kinderarzt diagnostizierte Skoliose (sehr leicht) verschlimmere. Inzwischen weiß man ja, dass die optimale Therapie bei einer Skoliose aus Krafttraining besteht. Wie auch immer. Meine Mutter war sehr streng und drohte mit Strafe (Fernsehverbot, Sportverbot usw.) sollte ich es wieder tun. Dazu hatte ich als Baby einen doppelten Leistenbruch, der operativ behandelt wurde. Und meine Mutter hatte die Vorstellung, dass ich direkt einen neuen Leistenbruch bekomme, wenn ich mich leicht anstrenge.  

Doch das hielt mich nicht davon ab. Täglich schlich ich in den Keller und hob die Scheibe immer und immer wieder hoch. Es machte mich unfassbar glücklich. Je schwerer sie mir vorkam, desto glücklicher wurde ich. Bis ich eines Tages von meiner Mutter dabei erwischt wurde und sie die Scheibe nun endgültig entsorgte. Ich war unendlich traurig aber meine Faszination für schwere Sachen war zweifellos geweckt.

Ihr übriges taten dann die 80er Jahre Actionhelden im TV. Allen voran Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone, Dolph Lundgren und wie sie alle hießen. Ich wollte unbedingt einen Körper wie Arnold. Von Natur aus lang und sehr schlaksig wurde ich von Lehrern, Trainern und Schulkollegen immer als „langer Lulatsch“ oder auch als der „Spargeltarzan“ betitelt. Entsprechend groß sah mein Selbstbewusstsein aus. Ich hatte praktisch keins.

Die Verbote meiner Mutter hielten an. Nur ausgewählte Sportarten, kein Krafttraining. Zwar machte ich alle möglichen Sportarten mit, die sich mir boten, über Fußball, Tennis, Judo, Taekwondo, Tischtennis, Leichtathletik, Radsport und Schwimmen. In allem war ich recht gut, aber irgendwas fehlte mir. Bis zu meinem 17ten Lebensjahr „trainierte“ ich heimlich auf dem Dachboden das Klettern. Dort waren Dachbalken, die ich dazu nutze.

Doch als mein 18ter Geburtstag näher rückte, konnte ich meinen Drang nach schweren Gewichten nicht mehr zurückhalten. Ich kaufte mir kurz davor eine Hantelbank und einige Gewichte. Außerdem wurde mir von dem Verkäufer bei Karstadt Sport und Hobbyhaus empfohlen, das Buch „Kraft- und Bodytraining“ von Bernd Göddeke zu kaufen und zu lesen. Ich kann mich erinnern, dass der Verkäufer ein massiver Schrank war, der ganz offensichtlich selbst regelmäßige Stahl bewegte. Vermutlich deshalb vertraute ich seinem Urteil. Das Buch habe ich noch heute im Regal stehen und mit Bernd Göddeke habe ich mich bereits auch einmal ausgetauscht und ihm für das Buch und seinen Input gedankt.

Gemeinsam mit meinem Vater schleppten wir die Gewichte, von der Straßenbahn zu uns nach Hause. Eine unglaubliche Qual. Der Dachboden sollte für die nächsten 7 Jahre mein Trainingsraum werden. Nebenbei spielte ich noch als Fußballtorwart in der Herrenmannschaft.

Und an meinem 18ten Geburtstag startete ich mit meinem ambitionierten Training und dem Befreiungsschlag gegen die Verbote meiner Mutter. Ob es körperlich gesund war, war mir tatsächlich egal. Ich wollte um jeden Preis ein großer, athletischer, ja, muskulöser und vielleicht sogar respekteinflößender Mann werden.

Wie ich begann

Die ersten Einheiten wurden von Sticheleien meiner Mutter begleitet, der es überhaupt nicht passte, dass ich ihren Dachboden beanspruchte, den sie zwar nie brauchte und der jahrelang brachlag, den sie mir aber auch nicht gönnte. Auch fielen gehässige Bemerkungen wie: „Du wirst schon sehen, was du davon hast.“ „Du machst deinen Rücken kaputt. „Bald sitzt du im Rollstuhl.“

Diese Motivation nahm ich mit ins Training. Es konnte nicht schnell genug gehen. So trainierte ich fast täglich. Manchmal morgens und abends. Leider noch ohne große Pläne, ohne Periodisierung oder einer Ahnung, wie wichtig die Struktur für den Erfolg ist.

Wie ich mich entwickelte

Die ersten Jahre vergingen wie im Flug. Meine schulische Ausbildung und die kaufmännische Lehre waren von vielen frustrierenden Erlebnissen durchzogen. Der Sport war immer mein Halt, aber oft nicht so gut möglich, wie ich gerne gehabt hätte. Mein Wissen über Training hielt sich in Grenzen. Zu dem Zeitpunkt war das Internet noch nicht der ultimative Hinweisgeber. Zwar lernte ich durch einige Sportfreunde gewisse Basiskenntnisse jedoch war ich trotzdem noch weit von einem fachlich soliden Kraftsportler entfernt.

Dann kam die Zeit bei der Bundeswehr. Damals entdeckte und verschlang ich das Buch „Anaboles Training“ von Klaus Arndt. Meine Kameraden schenkten mir zum Geburtstag zwei Bücher von Mike Mentzer. Heavy Duty sollte mein Augenöffner für Trainings- und Sportwissenschaften werden. Die Einfachheit seiner Erklärungen von komplexen Abläufen, Regeln und wissenschaftlichen Hintergründen war so faszinierend, dass ich behaupten darf, dass ich mir, für all meine Publikationen, eben seine Philosophie und Ausdrucksweise zu eigen gemacht habe.

Seine Philosophie änderten mein Training und prägen meine Philosophie noch heute.

Höhen und Tiefen

Natürlich durchlebte ich im Kraftsport auch viele Höhen und Tiefen. Kleine Verletzungen (Zerrungen, ein Sehnenriss im Handgelenk und sehr viel Muskelkater; erst am dreizigsten Jahrestag passierte die große Verletzung, siehe unten). Und meine Unwissenheit machte es mir damals schwer damit umzugehen. Doch als ich 2005 zum Olympischen Gewichtheben in einen Verein wechselte, welches mich schon lange faszinierte, begann ein neuer Abschnitt in meiner sportlichen Karriere.

Ich lernte Menschen kennen, die den Sport so sehr liebten wie ich. Viele davon werde ich nie vergessen, denn sie prägten mich nachhaltig. Sie wurden Sportfreunde und Vorbilder. Durch sie erlangte ich ein anderes Bewusstsein für Training, Schmerz und Wettkämpfe. Es war mental so stimulierend, weil man sich auf jede Trainingseinheit mit den Sportfreunden freute. Nach und nach merkte ich: ich möchte mehr über den Sport wissen, mehr verstehen und mich selbst besser ausbilden, physisch und psychisch.

30 Jahre ohne schwere Verletzung. Und am Jubiläumstag passiert das Undenkbare. Ich reiße mir die Quadrizepssehne meines rechten Beins. Auf Instagram könnt ihr meine Reha verfolgen. Der Umgang mit Verletzungen ist entscheidend für den Verlauf. Davon bin ich fest überzeugt. Eine positive Einstellung, Mut und Ehrgeiz sind bei einer Reha ebenso wichtig wie im Training. Letzten Endes unterscheiden sich Reha und Training nur in den Lasten. Das Ziel ist in beiden Fällen eine bessere Leistungsfähigkeit herzustellen. Nehmt Verletzungen so, wie sie sind und arbeitet mit ihnen, nicht gegen sie. Arbeitet hart, befasst euch mit den dazugehörigen Informationen und bleibt positiv.

Derzeit

Und so wurde ich, eher zufällig Trainer. Denn es gab wenige, die Zeit und Lust hatten, sich mit der Ausbildung anderer zu beschäftigen. Die sportwissenschaftliche Herangehensweise der Olympische Gewichtheber und die dazugehörige strukturierte Ausbildung waren motivierend und bildeten ein solides Fundament für meine heutige, eigene Trainingsphilosophie. Nach der Arbeit mit vielen im Leistungssport angesiedelten Sportmannschaften, Athleten und Athletinnen erfüllte ich mir einen Traum indem ich 2015 das Gym eröffnete. Mein eigener Kraftraum. Mein Reich. Und es wurde noch viel besser, als ich es mir erträumt hatte. Das Klientel wechselte nach und nach von Leistungssportlern hin zu gesundheitsorientierten Menschen, die entweder Prä- oder Rehabilitativ arbeiten wollten. Von Rugbyspielern bis hin zu Menschen mit Osteoporose oder chronischen Schmerzen. Das Klientel ist großartig. Anders kann man es nicht sagen. Die Arbeit, gerade mit Anfängern ist für mich die größte Freude. Menschen für meinen Sport zu begeistern, sie heranzuführen und ihnen einen optimalen Start zu geben, der mir damals nicht gegeben wurde und für den ich viele Jahre voller Fehler, Frustration und Orientierungslosigkeit erbringen musste. Dafür bin ich äußerst dankbar.

Zukunft

Am Ende sei mir noch ein kurzer Ausblick auf die Zukunft meines Trainings und des Gyms gestattet.

Nach 30 Jahren habe ich nicht nur meine Motivation nicht verloren, nein, ich gewinne fast täglich neue hinzu. Noch immer ist der Kraftsport faszinierend, motivierend und herausfordernd. Ich habe fast alle Formen ausprobiert. Bodybuilding, Gewichtheben, Kraftdreikampf und Strongman sind hier primär zu nennen. Doch trotzdem wird es nicht langweilig. Im Gegenteil. Zum einen finde ich immer wieder neue Wege die Muskulatur und mein Gehirn zu stimulieren, zum anderen ist mein Training immer auf einem sehr intensiven und hohen Niveau. Tatsächlich hat mir die Verletzung eine noch höhere Motivation gegeben. Weil ich auch selbst eine Rehabilitation durchleben muss und so später noch besser auf meine Leute eingehen kann.

Das hohe Niveau wird so bleiben und ich freue mich insgeheim schon auf die Zeit im hohen Alter. Denn dann werde ich noch immer mit brutaler Intensität trainieren und älteren, sowie jüngeren Menschen hoffentlich auch ein kleines Vorbild sein.

Die Gemeinschaft im Gym, die familiäre Atmosphäre und die großartigen Charaktere, die hier diesen großartigen Sport betreiben, lassen mich die Arbeit nicht als solche spüren, sondern als Geschenk, jeden Tag das tun zu dürfen, was man am meisten liebt (also, natürlich neben meiner Frau, die ich über alles liebe)

Danke an alle meine wundervollen Mitglieder. Egal ob noch bei mir im Gym oder schon an einem anderen Ort.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*